1. Feuer


Ein Feuer brennt im Innenhof des hohenpriesterlichen Palastes. Petrus als einziger Anhänger Jesu zwischen den Kriegsknechten, die sich dort wärmen und die Situation durchdiskutieren, wie es unter Soldaten üblich ist.

Petrus denkt: “Vielleicht kann ich weiteren peinlichen Fragen entgehen, nachdem die neugierige Frau mich schon fast erkannt hätte. Gut, dass es noch dunkel ist, obwohl ein Hahn da schon gekräht hat!“-

Und dann die demaskierende Bemerkung des Soldaten: “Du bist doch auch einer, der zu Jesus gehört, ich habe dich bei ihm gesehen!“ „Jetzt bin ich in Gefahr“, denkt Petrus. Eine Notlüge: „Nein!“ Der Hahn kräht – „Ich kenne diesen Mann nicht!“ Der Hahn kräht!                                      

Das Feuer reinigt und entlarvt. Jesus bleibt stehen und sucht den Blickkontakt mit seinem verzweifelten angst- erfüllten Jünger.

Der Hahn erinnert mich an das, was ich schon weiß, schon erfahren habe. Wie entscheide ich mich, wenn es um die Wahrheit meiner Zugehörigkeit geht? - Wo ist mein Feuer, an dem ich mich wärmen möchte und das mir doch nur die Frage stellt: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was ist mein Hahn der Erinnerung und Warnung?

Der HERR hört den verzweifelten Schrei meiner Lebensangst. ER bleibt stehen, trotz meiner Aussagen, die ich eigentlich nicht machen wollte, und schaut mich liebevoll an. ER sieht die Tränen meiner verzweifelten Reue.

Ich darf sie weinen.

 

Lesen:

EG 82 Wenn meine Sünde' mich kränken

 

1. Wenn meine Sünd' mich kränken,

o mein Herr Jesu Christ,

so laß mich wohl bedenken,

wie du gestorben bist

und alle meine Schuldenlast

am Stamm des heilgen Kreuzes

auf dich genommen hast.

 

5. Herr, laß dein heilig Leiden

mich reizen für und für,

mit allem Ernst zu meiden

die sündliche Begier,

daß mir nie komme aus dem Sinn,

wie viel es dich gekostet,

daß ich erlöset bin.

 

6. Mein Kreuz und meine Plagen,

sollt's auch sein Schmach und Spott,

hilf mir geduldig tragen;

gib, o mein Herr und Gott,

daß ich verleugne diese Welt

und folge dem Exempel,

das du mir vorgestellt.

 



2. Verhör

 

Jesus vor Pilatus!   Eine Nacht- und Nebelaktion von Politik und Kirche, um den unbequemen Störenfried zu beseitigen. Für sie lag die Schuld klar auf der Hand. Aber leider waren ihnen die Hände gebunden, wenn es um die Vollstreckung eines Todesurteils ging. Also musste die Besatzungsmacht entscheiden. Innerlich und äußerlich Abstand halten, war jetzt angesagt, um nicht vom großen Passah ausgeschlossen zu werden. Und aus der Entfernung kritisiert es sich sowieso leichter. Pilatus könnte doch einfach unterschreiben, dann wäre alles in Ordnung. Warum glaubt er nicht, dass Jesus weg muss? Er hat gesagt, dass er ein König ist? König hin, König her, wir brauchen einen starken Mann. Egal, dann lieber den Kaiser in Rom, als so einen!

Faule Kompromisse! Auch Pilatus kennt sie, diese halbherzigen Entscheidungen: Ich will nicht Schuld sein.

Darum wäscht er seine Hände in Unschuld und wird damit nur noch mehr schuldig an dem Unschuldigen. Er wird Jesus damit aber nicht los.

Wo neige ich dazu? Was stört meine frommen Glaubensvorstellungen? Werde ich manchmal ratlos zwischen unterschiedlichen, geistlichen, theologischen oder kritisch ablehnenden Meinungen hin und her geworfen?

Meine Beziehung zu Jesus kann nur aus der Erfahrung mit Ihm fest werden und nicht von Meinungen anderer über Ihn.

 

Singen: EG 91 Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken

 

 

5. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden

ein Ärgernis und eine Torheit werden:

so sei's doch mir, trotz allen frechen Spottes,

die Weisheit Gottes.

1.Kor 1,23.24

6. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder,

es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder,

lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde

zu Gottes Freunde.

7. Da du dich selbst für mich dahingegeben,

wie könnt ich noch nach meinem Willen leben?

Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre,

zu deiner Ehre.

 

                                                  



  1. Dornenkrone und Geißel:

Pilatus lässt Jesus geißeln – eine Fast- Todesstrafe. Zum Spott wird Er mit Dornen gekrönt. Ein blutüberströmter Körper in einem roten Soldatenrock, ein verhöhnender Akt. Scheinbar zerstört ist Sein Königtum, Seine Würde. So erniedrigt, erachtet, entwürdigt.

      Jesus - ein König?

      Jesus - der Juden König?

      Jesus – mein König?

 

Was ist, wenn ich diese 3 Fragen bejahe?

Welche Konsequenzen daraus habe ich übersehen?

Hat Er sich so zurichten lassen, damit ich mich bequem zurücklehnen kann, weil Er schon alles erledigt hat.

Jesus, mein König! Er hat sich entwürdigen lassen, damit ich die Würde der Gottesebenbildlichkeit wieder gewinne. ER hat es zu sagen in meinem Leben, auch wenn Menschen mir meine Würde rauben würden. Ich muss nicht besser dastehen, als mein Herr!

 

 

 

Singen EG 77 Christus, der uns selig macht

 

1. Christus, der uns selig macht,

kein Bös' hat begangen,

ward für uns zur Mitternacht

wie ein Dieb gefangen,

eilend zum Verhör gebracht

und fälschlich verklaget,

verhöhnt, verspeit und verlacht,

wie denn die Schrift saget.

Matthäus 26,27-68

2. In der ersten Stund am Tag,

da er sollte leiden,

bracht man ihn mit harter Klag

Pilatus dem Heiden,

der ihn unschuldig befand,

ohn Ursach des Todes,

ihn derhalben von sich sandt

zum König Herodes.

3. Um Drei hat der Gottessohn

Geißeln fühlen müssen;

sein Haupt ward mit einer Kron

von Dornen zerrissen;

gekleidet zu Hohn und Spott

ward er sehr geschlagen,

und das Kreuz zu seinem Tod

mußt er selber tragen.

 

Beten 8. O hilf, Christe, Gottes Sohn,

durch dein bitter Leiden,

daß wir dir stets untertan

Sünd und Unrecht meiden,

deinen Tod und sein Ursach

fruchtbar nun bedenken,

dafür, wiewohl arm und schwach,

dir Dankopfer schenken.



4. Barabbas/ Jesus        

Eine schlaue List des Pilatus oder eine Verzweiflungstat?

– Passah-Amnestie: Einer wird begnadigt. Sie werden hoffentlich den weniger Schlimmen wählen, das kleinere Übel.

- Pilatus schiebt seine Entscheidungshoheit auf das zusammengelaufene Volk, den aufgeheizten Pöbel, soll der doch entscheiden! Damit hat sich der römische Prokurator aber seiner Verantwortung nicht entziehen können.

Barabbas – Sohn des Vaters, ein Aufrührer und Mörder, gewalttätig und korrupt, der seine Ziele skrupellos durchsetzt. Er war wohl kein Ruhm für seinen Vater.

Jesus- Sohn Seines himmlischen Vaters. Er verweigerte jeglichen Eigenruhm, sondern hatte sich nur der Liebe Seines Vaters verschrieben, zum Ruhm Seines Vaters.

Barabbas hatte versucht, seine politischen Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Ihm gegenüber steht Jesus mit gewaltloser Liebe, mit Erbarmen und Hingabe.

Äußerlich trennen diese Männer Welten. Größer kann der Gegensatz nicht sein! Ob Barabbas auf diesem Hintergrund ein anderer Mensch geworden ist? Auf jeden Fall hat ihm auch die Hingabe Jesu gegolten.

 

Womit möchte ich Eindruck machen? Mit demonstrativer Stärke, mit logischen Aktionen? Oder weiß ich um die Macht, die sich in Liebe und Demut zeigt?

Glaube ich an die Würde, die in Jesus jedem Menschen zukommt?

 

Vorlesen: EG 81 Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen

 

5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt,

der Böse lebt, der wider Gott gehandelt;

der Mensch verdient den Tod und ist entgangen,

Gott wird gefangen.

6. O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße,

die dich gebracht auf diese Marterstraße!

Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden,

und du mußt leiden.

 

 

Singen: EG 78 Jesu Kreuz, Leiden und Pein

 

1. Jesu Kreuz, Leiden und Pein,

deins Heilands und Herren,

betracht, christliche Gemein,

ihm zu Lob und Ehren.

Merk, was er gelitten hat,

bis er ist gestorben,

dich von deiner Missetat

erlöst, Gnad erworben.

2. Jesus, wahrer Gottessohn

auf Erden erschienen,

fing bald in der Jugend an,

als ein Knecht zu dienen;

äußert sich der göttlich G'walt

und verbarg ihr Wesen,

lebt in menschlicher Gestalt;

daher wir genesen.

10. Jesu, weil du bist erhöht

zu ewigen Ehren:

unsern alten Adam töt,

den Geist tu ernähren;

zieh uns allesamt zu dir,

daß empor wir schweben;

begnad unsers Geists Begier

mit deim neuen Leben.

 



5.Kreuz

Das Urteil: „Tod durch Schmerzen“ ist vollstreckt. Aber hier geschieht das größte Wunder: Jesus hat bis zu seinem Ende seine Menschen im Blick. Ihm hätte unter diesen Umständen alles egal sein können. Aber Er lehnt den Betäubungstrank ab und übergibt bei vollem Bewusstsein die Versorgung seiner verzweifelten und schutzlosen Mutter seinem Jünger, der Ihn am besten verstand. Er bittet sogar für die, die gleichgültig ihren grausamen „Job“ ausüben. Sie wissen nicht, was sie tun, Er weiß es ganz klar. Er denkt an dich und mich gerade dann, wenn wir nicht ahnen, wie schwer wir ihn mit unserer vermeintlichen Dienstbeflissenheit, mit unserem kurzsichtigen Übereifer, mit unserer Feigheit verletzen und immer wieder neu kreuzigen. Er hält das Programm zu unserer Rettung mit Seiner Liebe durch. Ihm wird das Leben nicht genommen, sondern Er gibt es freiwillig für jeden Menschen.

Wie sieht meine Antwort aus?

 

Singen: EG 84 O Welt, sieh hier dein Leben

(ö) Melodie

1. O Welt, sieh hier dein Leben

am Stamm des Kreuzes schweben,

dein Heil sinkt in den Tod.

Der große Fürst der Ehren

läßt willig sich beschweren

mit Schlägen, Hohn und großem Spott.

2. Wer hat dich so geschlagen,

mein Heil, und dich mit Plagen

so übel zugericht'?

Du bist ja nicht ein Sünder

wie wir und unsre Kinder,

von Übeltaten weißt du nicht.

3. Ich, ich und meine Sünden,

die sich wie Körnlein finden

des Sandes an dem Meer,

die haben dir erreget

das Elend, das dich schläget,

und deiner schweren Martern Heer.

4. Ich bin's, ich sollte büßen

an Händen und an Füßen

gebunden in der Höll;

die Geißeln und die Bande

und was du ausgestanden,

das hat verdienet meine Seel.



     6. Grab

Zwei stille Männer bekennen sich jetzt zu Jesus: Joseph von Arimathia und Nikodemus, 2 Ratsherren, die Jesus kennengelernt hatten. Um Nikodemus hatte Jesus sich besonders gekümmert in einem Gespräch bei Nacht. Die beiden vornehmen Männer hatten sich wohl nicht getraut, sich öffentlich zu Jesus zu bekennen. Nun hatten die Gegner gehandelt, aber sie wollten nicht, dass Jesus mit den anderen verscharrt wurde. So schenkt Joseph v.A. Ihm sein Felsengrab, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Zu einer würdigen Beerdigung war keine Zeit, es konnte nur eine notdürftige Versorgung des Leichnams stattfinden. Aber das geschieht durch diese beiden Männer, deren Glaube noch so unsicher und im Herzen verschlossen glimmte.. Sie bringen im rechten Moment das Opfer, das ihren Glauben entfachte.

Kenne ich solche Momente, in denen ich denke: Alles vergeblich, mein Glaube ist zu schwach und ich zu feige. Was kann ich schon geben?

Lass das Weizenkorn, das JESUS heißt, in dein Herz, damit es erstirbt und Frucht bringt. Auch wenn der schwere, fast unverrückbare Stein des Unglaubens, der Zweifel, der ständigen Unzuverlässigkeit davor liegt.

Jesus, in der Tiefe meines Herzens – wie groß ist meine Sehnsucht danach!

 

Lesen EG 98,1-3

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,

Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt -

Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Joh 12,24

2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,

wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.

Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,

unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -

hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

Gemeinsam lesen   EG 78 Jesu Kreuz, Leiden und Pein

 

9. Jesus ist das Weizenkorn,

das im Tod erstorben

und uns, die wir warn verlorn,

das Leben erworben;

bringt viel Frücht zu Gottes Preis,

derer wir genießen,

gibt sein' Leib zu einer Speis,

sein Blut zum Trank süße.

Joh 12,24

10. Jesu, weil du bist erhöht

zu ewigen Ehren:

unsern alten Adam töt,

den Geist tu ernähren;

zieh uns allesamt zu dir,

daß empor wir schweben;

begnad unsers Geists Begier

mit deim neuen Leben.

 



7.Auferstehung

 

Spruch: ICH aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.  

 

Ein Wort Jesu nicht nur zu Petrus, sondern auch zu uns.

Jesus hat auch mit uns noch viel vor.

 

Stille

 

Abschluss Lied: EG 93 Nun gehören unsre Herzen

 

1. Nun gehören unsre Herzen

ganz dem Mann von Golgatha,

der in bittern Todesschmerzen

das Geheimnis Gottes sah,

das Geheimnis des Gerichtes

über aller Menschen Schuld,

das Geheimnis neuen Lichtes

aus des Vaters ewger Huld.

2. Nun in heilgem Stilleschweigen

stehen wir auf Golgatha.

Tief und tiefer wir uns neigen

vor dem Wunder, das geschah,

als der Freie ward zum Knechte

und der Größte ganz gering,

als für Sünder der Gerechte

in des Todes Rachen ging.

3. Doch ob tausend Todesnächte

liegen über Golgatha,

ob der Hölle Lügenmächte

triumphieren fern und nah,

dennoch dringt als Überwinder

Christus durch des Sterbens Tor;

und die sonst des Todes Kinder,

führt zum Leben er empor.

4. Schweigen müssen nun die Feinde

vor dem Sieg von Golgatha.

Die begnadigte Gemeinde

sagt zu Christi Wegen: Ja!

Ja, wir danken deinen Schmerzen;

ja, wir preisen deine Treu;

ja, wir dienen dir von Herzen;

ja, du machst einst alles neu.